> Friedhofskultur
Montag, 9. Februar 2015
Evangelischer Friedhof Matzleinsdorf
feuerlibelle, Montag, 9. Februar 2015, 21:53
.







Nachdem die Toten der beiden evangelischen Bekenntnisse A.B. und H.B. bis 1856 auf katholischen Friedhöfen Wiens begraben worden waren, entschloss man sich, einen eigenen evangelischen Friedhof anzulegen. Es wurde zu diesem Zweck ein vor dem Linienwall liegendes Grundstück am Rand der ehemaligen Vorstadt Matzleinsdorf angekauft.



Im Mai 1856 genehmigte Kaiser Franz Joseph I. einen Verordnungsentwurf von Kultusminister Thun-Hohenstein, der die Anlage konfessioneller Friedhöfe vorsah. Im Dezember 1857 hatte das von beiden evangelischen Gemeinden eingesetzte Friedhofskomitee dem Vorstand berichtet, dass von der Comune und der Südbahn ein Gelände von 7.679 Quadratklaftern angekauft, ein 17 Klafter tiefer Brunnen gegraben, mit 1. Dezember ein Totengräber aufgenommen und ein Leichentarif ausgearbeitet worden sei.

Die Einweihung des Friedhofes erfolgte im April 1858. Im Juni 1858 wurde der Baumeister Franz Halmschläger mit dem Bau der Friedhofskirche nach den Plänen von Theophil Hansen beauftragt. Nach einer Bauzeit von rund zwei Jahren konnte die Kirche im September 1860 geweiht und ihrer Bestimmung als Begräbniskirche übergeben werden. 1894 wurde vom Wiener Protestantenverein A. B. um die Abhaltung eines regelmäßigen Gottesdienstes angesucht. Nach den entsprechenden Umbauten wurde die Kirche im September 1899 eingeweiht.



Sie wird seither als Christuskirche verwendet.




Da es in weiterer Folge immer wieder zu Diskussionen über den weiteren Verbleib des Friedhofs kam, wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof ebenfalls ein evangelischer Friedhof angelegt. Doch der Evangelische Friedhof Matzleinsdorf hat sich bis heute erhalten, sodass seither beide Friedhöfe belegt werden.







Die Belegung des Friedhofes erfolgte so rasch, dass eine Erweiterung notwendig wurde. Dennoch berichtete das Komitee, dass die Gemeinde Wien eine Schließung des Friedhofs mangels Belegmöglichkeit erwäge. Einen weiteren Grundstückskauf für die Errichtung eines Krematoriums und eines Urnenhaines lehnte die Stadt Wien ab.



1941 wurde der Verkauf neu zu belegender Gräber an Nichtevangelische bis auf Weiteres eingestellt. 1948 verpflichteten sich die beiden evangelischen Gemeinden, die Vergebung von Grabstellen und Grüften sowie die Beilegung von Leichen mit 31. Dezember 1999 einzustellen.



Im Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof im Zuge der Bombardements der Südbahn, in deren Nähe er sich befindet, schwer beschädigt.
Quellen: Friedhöfe Wien, Wiener Friedhofsführer, Bezirksgeschichten, Christuskirche evang. Photos: Privatarchiv

Permalink (5 Kommentare)   Kommentieren