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Sonntag, 12. Juli 2015
Friedhof der Namenlosen
feuerlibelle, Sonntag, 12. Juli 2015, 23:43
Beim Alberner Hafen, wo das Auwald- und Wiesengebiet an den Hafen grenzt.



Durch einen Wasserwirbel am Stromkilometer 1.918 wurden früher die Leichen der in der Donau Ertrunkenen regelmäßig im Bereich des heutigen Alberner Hafens angeschwemmt. 1854 wurde deshalb hier ein kleiner Friedhof angelegt, der die nicht identifizierbaren Wasserleichen aufnehmen sollte.



Ein einsames Kreuz jenseits der Schienen markiert heute die Stelle, an der sich der erste Friedhof der Namenlose bis zum Jahr 1900 befand und in dem insgesamt 478 Tote bestattet wurden.
Nachdem der Friedhof aber selbst immer wieder überschwemmt wurde, legte man im Jahr 1900 auf Initiative des Simmeringer Bezirksvorstehers Albin Hirsch eine neue Grabstätte jenseits des Dammes an.



Dieser heutige Friedhof der Namenlosen wurde von 1900 bis 1940 belegt und nahm insgesamt 104 Personen auf – 43 davon konnten nachträglich identifiziert werden. Seit dem Bau des Hafens im Jahr 1939 gibt die Donau seine Toten an dieser Stelle nicht mehr her.



Die kleine Auferstehungskapelle neben dem Friedhof wurde 1935 zur Erinnerung an die Erhöhung des Hochwasserschutzdammes errichtet.



Bei den meisten Toten handelt es sich um Suizide und Verunglückte, darunter auch etliche ausländische Seeleute.



Die Gräber sind betont schlicht und zumeist nur von schmiedeeisernen Kreuzen geziert. Einige Kreuze tragen Namensschilder, ganz wenige Gräber besitzen einen Stein. Die Stimmung auf diesem Friedhof ist sehr traurig und doch voller Frieden – vor allem zu Allerseelen, wenn der kleine Friedhof von einem Meer gespendeter Blumen überschwemmt wird und gegen Abend mit Lichtern versehene Kränze auf der Donau ausgesetzt werden.





Mehr als sechzig Jahre lang hat der frühere Totengräber Josef Fuchs den Friedhof gepflegt und betreut. Heute setzt sein Sohn Josef Fuchs jr. dieses Werk fort.



Heute befindet sich der Friedhof der Namenlosen in der Obhut der Hafengesellschaft und der Gemeinde Wien.
Quelle:Wiener Friedhofsführer

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