> Friedhofskultur
Dienstag, 23. Juni 2015
Feuerhalle Simmering
feuerlibelle, Dienstag, 23. Juni 2015, 00:16
Die Feuerbestattung ist eine der ältesten Bestattungsarten – sieht man vom einfachen Aussetzen der Leiche ab – und lässt sich schon in der Jungsteinzeit, also im 7.Jahrtausend v.u.Z. nachweisen.



Während der Bronzezeit, um 1200 v.u.Z, wurde sie vorübergehend sogar zur vorherrschenden Bestattungsform. Im Jahre 785 verbot Kaiser Karl der Große den "heidnichen Brauch der Totenverbrennung" bei Androhung der Todesstrafe und ordnete die allgemeine Bestattung auf Kirchhöfen an, um das Fortleben heidnischer Gebräuche zu unterbinden.



Dieses Verbot wirkte durch das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit, und noch im Jahr 1909 berief sich der österreichische Verwaltungsgerichtshof anlässlich der geplanten Errichtung einer Feuerhalle darauf. Die Erdbestattung blieb somit bis ins späte 19.Jh. – und in Österreich noch um einiges länger – die einzige zulässige Art der Bestattung.



Anders als die katholische Kirche standen die Protestanten der Kremation eher wohlwollend, zumindest aber neutral gegenüber. Als 1874 bei der Fertigstellung des Zentralfriedhofs der Antrag gestellt wurde, Vorkehrungen für die Errichtung einer Leichenverbrennung zu treffen, wurde dieses Ansinnen glatt abgeleht.



Als die Forderungen des Vereins "Die Flamme" nach Errichtung eines Krematoriums endlich erfolgreich waren, entschloss sich der Verein zunächst, die Feuerhalle auf eigene Kosten errichten zu lassen. In Jahr 1921 wurde der Bau jedoch vom Wiener Gemeinderat aus dessen Budget bewilligt. Als Baugrund war ursprünglich das Gelände des aufgelassenen Friedhofs St.Marx vorgesehen.



Vergeben wurde der Auftrag an Clemens Holzmeister, dessen Konzept sich in die bestehende Schlossanlage besser einfügen ließ, zumal er auch die Türme miteinbezog. Das in eigenwilligem Stil errichtete Krematorium gilt als eines der wichtigsten Werke Holzmeisters. Das 1922 gebaute Krematorium wurde in den Jahren 1967 bis 1969 erweitert und in den 1980-er Jahren modernisiert.



Die Feuerhalle Simmering erstreckt sich auf einer Fläche von rund 215.000 qm und beherbergt an die 53.000 Grabstellen. Die meisten Urnen sind auch hier in Erdgräbern beigesetzt.

Die Urnen der Prominenten und der früheren Anhänger der Feuerbestattung, darunter viele bekannte Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Redakteure, aber auch etliche Vertreter der jüdischen Intelligenz, befinden sich in den Spitzarkaden und der Mauer, die den ehemaligen Schlossgarten umgibt; von den erwähnten Türmen ist nur einer als Begräbnisstätte in Verwendung.





Die ältesten Gräber liegen im Eichenhain des Neugebäudes, einem geschützten Naturdenkmal. Auch einen kleinen "Friedhof der Namenlosen" gibt es hier, eine Anlage von etwa 750 Urnen, die mangels lebender Nachkommen nicht mehr betreut werden.
Quelle: Wiener Friedhofsführer

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Mittwoch, 10. Juni 2015
Ella Lingens [1908 - 2002]
feuerlibelle, Mittwoch, 10. Juni 2015, 00:11
SIE WAGTE IHR LEBEN FÜR DAS LEBEN ANDERER.
Ihr Buch "Gefangene der Angst – Ein Leben im Zeichen des Widerstandes"
kann ich jedem nur empfehlen.




Sie war eine mutige, bewundernswerte Frau. Sie war eine Heldin. Ihre letzte Ruhestätte findet man auf dem Wiener Zentralfriedhof, Ehrengräber Gruppe 40, Grab 90.

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Montag, 1. Juni 2015
Greta Keller [1903 -1977]
feuerlibelle, Montag, 1. Juni 2015, 21:40
Der österreichische Weltstar des 20.Jahrhunderts. Eine begnadete Chansonsängerin, die nicht in Vergessenheit geraten darf!


Zu finden: ZF, in der Ehrengräber Gruppe 40, Grab 53

Ein schlichter Grabstein, der durch seine Eleganz besticht. Die Schönheit der Greta Keller in Stein gemeißelt. Eines ihrer schönsten Chansons ist: Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt.
https://www.youtube.com/watch?v=RYP_ienk2pU

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Montag, 25. Mai 2015
Skulptur aus weißem Marmor
feuerlibelle, Montag, 25. Mai 2015, 00:59
Ehrengräber Reihe 33G/Nr. 1A

Unzählige Fans pilgen auf den Zentralfriedhof, um sich das besondere Grabmal von Udo Jürgens anzusehen. Eine Skulptur aus weißem Marmor – sie ist das Abbild eines Flügels, der mit einem Tuch verhängt ist.





Der Bruder Maler hat es offensichtlich zu gut gemeint,– das wuchtige Kunstwerk passt irgendwie nicht zum feinfühligen Bruder Musiker. Doch nicht jeder will es verstehen, dass weniger mehr ist....



Unter den Friedhofsbesuchern befanden sich auch mehrere de.-Touristen, die leider wie von Sinnen durch den Rasen trampelten und hysterisch um die Grabstätte herumkreisten, sodass es an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten war. (Niederbayern/Oberbayern/Franken?) Friedhofsbenehmen scheint für diese Leute ein Fremdwort zu sein. Zahlreiche UJ Verehrerinnen hinterlegen beim Grabmal oder zwischen den mitgebrachten Blumensträussen auch persönliche, handgeschriebene Briefe und Botschaften. Die neugierigen Friedhofstouris suchen zwischen den Blumen nach den Schriftstücken (siehe Bild) und lesen den Inhalt der anwesenden Schar laut vor. Man muss sich echt fremdschämen.

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Dienstag, 5. Mai 2015
Der (Flieder-) Friedhof von St.Marx [2]
feuerlibelle, Dienstag, 5. Mai 2015, 00:14
Es war schon höchste Zeit für einen Mai-Spaziergang durch diese wunderbare Gedenkstätte und als ich heute auf dem Hauptweg stand, traute ich meinen Augen nicht: es hat sich mir genau so ein Bild geboten wie ich in meinem ersten Beitrag angedeutet habe: Am schönsten ist der Friedhof von St.Marx in Mai, wenn der Flieder blüht und die Gräberreihen in ein herrlich duftendes Fliederkleid verhüllt sind.....









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